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Das Brauchtum in Leblang


Ein Beitrag von Hans - Georg Bau


Das Feiern der Feste, und somit das Pflegen der Sitten und Bräuche ,war in Leblang eng mit dem Ablauf des Kirchenjahres verbunden. Deshalb ist der Beitrag auch in dieser chronologischen Reihenfolge gestaltet.

Mit dem ersten ADVENTSSONNTAG begann die vierwöchige Vorweihnachtszeit und damit auch die Vorbereitungen für das WEIHNACHTSFEST. Im Religionsunterricht lernten die Kinder Lieder und Gedichte und oft auch ein Krippenspiel für den Weihnachtsabend. In der Kirche stand während dieser Zeit ein Adventskranz mit den vier Kerzen.
Bis in die Nachkriegszeit gab es auch den Brauch des " Leuchtersingens ". Vier Schuljungen (gewöhnlich aus der Reihe der Konfirmanden ) übernahmen jeder einen Leuchter. Die übrigen Kinder wurden dann den vier Leuchtern zugeteilt.
Das schmücken der Leuchter erfolgte jedes Jahr neu und jede Gruppe wollte ihren Leuchter besonders schön gestalten.
Leider wurde dieser schöne Brauch nach dem Krieg nicht mehr gepflegt.
Für die Päckchen der Kinder ,die am Weihnachtsabend ausgeteilt wurden, backten die Frauen Weihnachtsmänner ,Herzen und Sterne aus Kuchenteig .Kein Kind verließ ohne ein Päckchen ,in dem noch ein paar andere Kleinigkeiten waren ,das Gotteshaus.
Anschließend wurde zu Hause oder mit der Bruder- und Schwesternschaft gefeiert.

Die Tage bis SYLVESTER waren gewöhnlich mit den Vorbereitungen für diese Nacht gefüllt. Die Adjuvanten spielten um Mitternacht einige Lieder und die Glocken läuteten das NEUE JAHR ein und zwar eine ganze Stunde lang.
Jeder wünschte jedem viel Glück ,Zufriedenheit und Gesundheit im neuen Jahr. Darauf wurde bis in die Morgenstunden weiter gefeiert. Am Abend des 1. Januar traf man sich wieder um das " Übriggebliebene " zu verzehren.
Die Kinder gingen am 1. Januar zu Bekannten und Verwandten und sagten ihre Gedichte und Sprüche auf.
Dafür erhielten sie dann eine kleine Gabe.

Im Februar feierte man dann die " Fuisnicht " ( Fasching ).
Am Dienstag vor dem Aschermittwoch wurde der Richttag abgehalten. Daran durften nur die Männer teilnehmen.
Die Nachbarväter legten Rechenschaft ab und jeder mußte sich für Verstöße gegen die Nachbarschaftsordnung verantworten.
Alle zwei Jahre wurden in jeder Nachbarschaft - es deren vier in Leblang -neue Nachbarväter gewählt und zwar einen älteren und einen jüngeren. Anschließend wurde dann der Fasching im Hause eines der Nachbarväter gefeiert.
Am Aschermittwoch ging es weiter. Nach dem Abendbrot trafen sich dann alle vier Nachbarschaften im Gemeindesaal ,wo bis zum Morgen gefeiert und getanzt wurde.
Dieser Ball war nur den Verheirateten vorbehalten ,die Jugend war ausgeschlossen.

Am PALMSONNTAG fand die KONFIRMATION statt. Die 14 jährigen Mädchen und Jungen wurden dadurch in die Reihen der Schwestern- und Bruderschaft aufgenommen. Sie durften jetzt auch die Patenschaft bei der Taufe der Kinder annehmen.
Am Abend vor der Konfirmation mußten die Konfirmanden die Prüfung ablegen. Hier wurden ihre Kenntnisse geprüft, die sie sich im Konfirmandenunterricht erworben hatten. Vor den Augen und Ohren des ganzen Dorfes war dies natürlich eine schwere Prüfung.
Um so größer war dann die Freude ,wenn man es geschafft hatte.
Im Rahmen des Gottesdienstes am Palmsonntag erhielt jeder Konfirmand seinen Konfirmandenschein und der Pfarrer erteilte ihm den Segen .Anschließend wurde das Abendmahl genommen. Zu Hause wurde dann gefeiert und von den eingeladenen Verwandten und Taufpaten erhielt die junge Magd oder der junge Bursche eine kleine oder größere Gabe.
Zum ersten Mal trugen an diesem Tag die Konfirmanden die Leblanger Tracht. Monate vorher wurde von den Müttern zu Hause daran gearbeitet ,denn diese Tracht begleitete die Jugendlichen von nun an bei allen Festen bis zu ihrer Hochzeit.

Die nächste festliche Zeit war dann die OSTERZEIT. Die Burschen und Männer kauften sich schon Tage vorher ein Parfümfläschchen,um damit die Mädchen und Frauen zu bespritzen. Als Dank bekamen sie dann einen Eierlikör.
Auch die Kinder gingen "Bespritzen". Sie erhielten dafür gefärbte Eier. In Leblang gab es auch den Brauch des " Eierschlagens".
Aus einer Entfernung von einem großen Schritt mußte mit einer Münze ein Ei getroffen werden. Je mehr Münzen man dafür benötigte,
desto teurer wurde das Ei, natürlich zur großen Freude der Kinder.
Bis vor einigen Jahren wurde am dritten Ostertag auch das " Hahnschießen " praktiziert. Dafür wurde ein schöner Hahn gekauft.
Auf dem Sportplatz versammelten sich dann die Burschen und viele Schaulustige. Die Burschen liehen sich von den Jägern der Gemeinde die Gewehre aus und schossen dann auf den Hahn. Jeder Schuß mußte extra bezahlt werden. Man fing mit einer größeren Entfernung an, die dann, wenn keiner traf, verringert wurde. Derjenige, der ihn erlegte ,bekam den Hahn oder das ,was von ihm übrig blieb.

Zu PFINGSTEN wurde das " Maibäumeschlagen " von den Burschen und Kindern gepflegt. Die Burschen begaben sich in den Wald und holten für ihre Angebetete einen Maibaum. Begehrt waren Birken, die aber immer seltener zu finden waren. Jeder wollte natürlich den höchsten Baum mit der schönsten Krone schlagen, um somit seine Liebe zu zeigen.
Den Knaben halfen ihre Väter. Sie brachten mit dem Pferdewagen mehrere kleinere Bäumchen aus dem Wald, die sie den Mädchen aus der Verwandtschaft oder aus der eigenen Schulklasse vor das Haus aufstellten.
Pfingstsonntag bewunderte die Gemeinde die schönen Bäume und es gab oft ein Rätselraten, wenn vor dem Haus einer Magd mehrere Birken standen......

Das wohl schönste Fest Leblangs war das PETER- und PAULSTAG (29. Juni ) gefeierte KRONENFEST. Es wurde in fast allen Gemeinden Siebenbürgens gefeiert und doch überall anders.
Die Verantwortung für den gelungenen Ablauf des Festes trug die Schwestern- und Bruderschaft. Ihnen standen das Presbyterium und die Adjuvanten zur Seite. Am Tage vor dem Fest wurde auf dem Kirchplatz ein 15-20 m hoher Baumstamm von der Bruderschaft aufgestellt. Er wurde ca. 2 m eingegraben. An seinem oberen Ende wurde ein großes Wagenrad aufgesteckt, auf dem die zweiteilige Krone befestigt werden sollten. Die Krone wurde von der Schwesternschaft aus Gartenblumen, Immergrün, Kronähren und Eichenlaub gebunden. Das Eichenlaub wurde von der Bruderschaft aus dem Walde gebracht.
Die Pferde der Burschen mußten für das Kronenfest  auch geschmückt werden. Das Zaumzeug wurde mit Immergrün und Blumen umbunden. Jeder der Bursche ließ sich seinen Zaum von seiner Liebsten binden. Hatte er noch keine ,so brachte er ihn zu einer Verwandten oder guten Bekannten. Am Festtage vor dem Gottesdienst holte sich dann jeder seinen Zaum ab.
Während die Gemeinde in der Kirche am Gottesdienst teilnahm,versteckten die zwei jüngsten Burschen die Spitze der Krone in einem Ährenfeld.
Nach dem Mittagessen versammelten sich alle Burschen und Mädchen am Ausgang des Dorfes, Seiburg zu. Alle waren in Tracht, die    Burschen hoch zu Roß. Die Pferde waren auf das prächtigste geschmückt. Sogar in die Mähne und den Schwanz wurden Blumen eingeflochten. Die Bruderschaft ritt nun aus, die Krone zu suchen. War sie gefunden, übernahm sie der Altknecht und geschlossen ritt man zum Dorf. Inzwischen hatten sich am Dorfeingang viele Schaulustige versammelt.
Nun zog man in einer genau festgelegten Ordnung durchs Dorf bis zum Kirchplatz. Voran die Musik, anschließend der Pfarrer mit dem Presbyterium, dann der Reiter mit der Krone ,gefolgt von den drei Fahnenträgen. Im Abstand von 3-4 m folgten drei Mägde, die zusammengebundene Tücher in den Händen hielten. Dahinter wieder mit entsprechendem Abstand drei Reiter ,dann drei Mägde usw.
Diese Aufstellung erfolgte nach dem Alter. Je länger der Zug wurde, desto eindrucksvoller und schöner war das Gesamtbild.
Vor den Häusern saßen die Frauen und Männern und warteten auf den prächtigen Tross. Sobald der vorüber war, schlossen sie sich ihm an und folgten ihm bis zur Kirche.
Bei der Kirche angekommen, ritt man zuerst ein paar Mal um die Krone. Dann bildeten die Mägde den inneren ,die Reiter den äußeren Kreis. Der Kurator begrüßte nun die Gemeinde und hielt eine Ansprache.
Auch der Pfarrer sprach ein paar Worte ,in denen er auf den Ursprung des Kronenfestes hinwies.
Daraufhin nahm der Wortknecht die Krone und stieg über die vorbereitete Leiter das Kronenholz hoch. Oben setzte er die Krone auf die Spitze. Er selbst setzte sich aufs Rad und hielt eine humorige Ansprache, wobei er Dürrobst und Bonbons für die Kinder herunter warf. Danach hielt noch ein zweiter Bursche oben in der Krone eine Rede. Manchmal dauerten die Pausen zwischen den Sätzen etwas länger, was wohl damit zusammenhing, dass in der Krone eine Flasche Wein hing.
Die Gemeinde sang die Lieder " Nun danket alle Gott " und " Geh aus mein Herz ". Das singen des " Siebenbürgenliedes " schloss den offiziellen Teil der Feier ab.
Die Burschen ritten nun nach Hause und versorgten die Pferde. Danach gingen sie zum Essen zu den Mägden.
Zusammen kamen sie dann zurück zum Tanz um die Krone , der bis zum Abend dauerte. Beim Anbruch der Dunkelheit begaben sich alle in den Festsaal, wo bis in die frühen Morgenstunden getanzt und gesungen wurde.
Nach einer Woche wurde dann der Kronenbaum wieder ausgegraben und auf dem Pfarrhof bis zum nächsten Jahr aufbewahrt.

Im Herbst wurde das ERNTEDANKFEST gefeiert. Die Kirche wurde mit Ähren und Blumen geschmückt. Vor und auf dem Altar legte man Brot, Kartoffeln, Rüben, Gemüse, Kürbisse, Getreide, Früchte.
Der Pfarrer hielt einen Dankgottesdienst ab. Zum Dank für die Ernte nahm die Gemeinde bei diesem Gottesdienst das Abendmahl. Davor fand eine Versöhnung zwischen Eheleuten , Eltern und Kindern ,Nachbarn und Verwandten statt.